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Zweiter Teil des Politischen Aktionstags: Wie muss sich die deutsche Flüchtlingspolitik ändern?

09.11.2012Am vergangenen Samstag, den 03. November 2012, setzte das Landesjugendwerk der AWO Berlin seinen Politischen Aktionstag zur Asylpolitik erfolgreich fort. Am ersten Tag, der genau zwei Wochen zuvor stattfand, konnten die Teilnehmenden gemeinsam mit jungen Flüchtlingen aus Afghanistan ihre Fremdheitserfahrungen teilen und über Sinn und Unsinn deutscher und europäischer Asylgesetzgebung diskutieren. Der zweite Tag sollte nun konkrete Forderungen an die Politik formulieren, was dringend zu verbessern wäre. Die Ergebnisse zeigen, wie weit noch der Weg zu einer menschenwürdigen und respektvollen Behandlung von Flüchtlingen in Deutschland ist.

Zwei Wochen zuvor war die Landesjugendwerksgeschäftsstelle der Ort, an dem mit drei jungen Afghan_innen im Rahmen des ersten Politischen Aktionstages zur Asylpolitik diskutiert werden konnte. Dieses Mal wechselten wir die Perspektive und luden in das AWO Refugium in der Lichtenberger Rhinstraße, eine Berliner Flüchtlingserstaufnahmeeinrichtung in Trägerschaft des AWO Kreisverbandes Mitte. Gemeinsam mit der Einrichtungsleitung und den dortigen Angestellten konnten wir mit interessierten Berliner Jugendlichen und jungen Bewohnern der Einrichtung gegenseitig Meinungen austauschen und Forderungen an die deutsche Politik sammeln.

Dabei kam es zu einer lebhaften Diskussion, an der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Pakistan und dem Libanon teilnahmen. Nachdem sie von ihren eigenen Erfahrungen und ihrem gefährlichen und beschwerlichen Weg nach Deutschland berichten konnten, war Raum für Themenvorschläge für den Tag. Es zeigte sich, dass viele Teilnehmende großes Interesse an der Sicht der Flüchtlinge auf Deutschland hatten. Insbesondere die Erwartungen an Deutschland am Tag der Ankunft waren äußerst spannend für die Jugendlichen. Daraus ergaben sich dann jedoch erste Enttäuschungen, die sich insbesondere am Umgang der deutschen Behörden mit den Nöten und Anliegen der Flüchtlinge entzündeten.

In der Runde wurden deshalb schließlich konkrete Anforderungen an den Umgang mit Flüchtlingen gesetzt: Diese betreffen sowohl die Regelungen in der Asylgesetzgebung (z.B. Aufhebung der Residenzpflicht und Unterbringung außerhalb von sogenannten „Heimen“) als auch Änderungen in der Mentalität der Bevölkerung, die sich – wohlwollend formuliert – zumeist reserviert gegenüber „Fremden“ verhält. Seitens der jungen Flüchtlinge wurde aber auch ein deutlich größeres Interesse an der deutschen Kultur und Gesellschaft angemahnt. Einige Flüchtlinge würden zur Verbesserung dieses Zustandes leider kein besonderes Engagement zeigen, auch wenn diese eine klare Minderheit darstellen. Dies zeigt, dass alle in diesem Prozess involvierten Gruppen mehr für eine Änderung der derzeitigen Situation investieren müssen. Es liege, so die Teilnehmenden des Aktionstages einmütig, aber in erster Linie an der Politik, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um nachhaltig etwas ändern zu können.

Bevor der Aktionstag seinem Ende entgegenging, wurde noch über einen dritten Termin beraten. Die Teilnehmenden kamen zu dem Schluss, dass Anfang Dezember erneut über diese Themen diskutiert und weitere konkrete Aktionen geplant werden sollten. Bei einem warmen Mittagessen im AWO Refugium, bei dem die Berliner Jugendlichen selbst die gute Qualität des dortigen Essens testen konnten, war anschließend noch Raum für ergiebige private Gespräche.