Pfad

Liebe Besucherinnen und Besucher,

Jedes Jahr absolviere ich eine „ehrenamtliche Woche“ in einer sozialen Einrichtung des Landes. Kürzlich war ich Praktikant in einem Bad Belziger Pflegeheim. Eine Woche lang, täglich von 6 bis 14.30 Uhr. Ein Fulltimejob, der auf die Knochen geht und noch heute an der Seele nagt. Nie habe ich Glück, Zufriedenheit und Leid so dicht beieinander erlebt.

Eine schwere Arbeit; nur mäßig bezahlt und doch vom Pflegepersonal mit ganzer Kraft, mit Zuwendung und Liebe ausgeübt. Respekt vor den Menschen, die diese Aufgaben klaglos und engagiert bewältigen!

Was das mit Ehrenamt zu tun hat? Auf den ersten Blick nichts. Auf den zweiten schon: Die „Pflege“ wird zu einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben überhaupt. Wir leben immer länger, während die traditionellen Familienstrukturen zunehmend wegbrechen. Immer mehr Menschen werden im Alter auf die Hilfe und Solidarität professioneller Pflegekräfte angewiesen sein. Doch wird es sie ausreichend geben? Wird das gesellschaftliche Gefüge dann so beschaffen sein, dass die große Herausforderung „Pflege“ sozial gerecht zu bewältigen ist?

Gewiss – Staat und soziale Träger sorgen vor. Sie bilden mehr Fachpersonal aus, legen die finanziellen Voraussetzungen. Doch ohne ein enges Zusammenwirken von Professionellen und Ehrenamtlichen werden diese Aufgaben nicht zu schaffen sein. Ich hätte mir in meiner Praktikums-Woche auch gewünscht, dass mehr Angehörige, mehr Ehrenamtliche ins Heim kämen und sich mit den Menschen  beschäftigen. Das entlastet das Personal, bereichert den Alltag der Pflegebedürftigen und hilft schließlich einem auch selbst. Ein ganz wichtiges Stück der Solidarität zwischen den Generationen, an dessen Qualität wir weiter arbeiten müssen. Schließlich hat jeder auch ein Stück Verantwortung für seine Eltern und Großeltern…

Das ist nur ein Beispiel aus dem vielfältigen Spektrum ehrenamtlicher Arbeit. Jeder hat die Chance, sich einzubringen. Er muss nur die Gewissheit haben, dass sein unentgeltliches Tun gebraucht wird und „ankommt“. Ein wichtiger Motor, der auch von Freude und Spaß angetrieben wird und viele andere mit hineinzieht. Mit dem Ziel einer großen öffentlichen Wirksamkeit wünsche ich der Kampagne „Ehrenamt – Zeig Gesicht!“ viel Erfolg!

Unterschrift_Baaske_Günter.jpg

   

Günter Baaske
Minister für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie des Landes Brandenburg