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Landesjugendwerk der AWO Berlin fordert Abschaltung deutscher Atomkraftwerke

13.03.2011Nach den verheerenden Naturkatastrophen, die Japan am vergangenen Freitag heimsuchten, droht nun der Super-GAU. Gleich mehrere Atomkraftwerke sind durch Erdbeben und Tsunami derart beschädigt worden, dass die Reaktoren außer Kontrolle gerieten. Gerade wegen der Tragödie bekommt die Anti-Atom-Lobby neuen Aufwind. Grund genug, auch unseren atompolitischen Forderungen erneut Nachdruck zu verleihen.

Am vergangenen Freitag erschütterte ein Erdbeben der Stärke 9,0 Japan. Dem Beben folgte mit kurzem Abstand eine zehn Meter hohe Tsunamiwelle, die große Landstriche der Nordküste verwüstete. Tausende Menschen sind in der Katastrophe umgekommen, werden vermisst oder sind obdachlos. Millionen Japaner haben kein Trinkwasser, Lebensmittel und Benzin werden knapp, Strom wird rationiert. Innerhalb von Sekunden verbreitete sich die schreckliche Nachricht in der ganzen Welt. Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde jedoch erst in den Stunden und Tagen danach deutlich. Häuser, Straßen, Viertel, sogar ganze Städte sind durch die Naturgewalt zerstört, unbewohnbar beziehungsweise unerreichbar geworden. Die japanische Regierung ruft den Notstand aus, bittet um internationale Hilfe und beginnt mit ersten Notmaßnahmen.

Doch die Katastrophe erreicht einen weiteren traurigen Tiefpunkt. Das Beben und der Tsunami haben mehrere Atomkraftwerke Japans stark beschädigt. Im zweihundertfünfzig Kilometer von Tokio entfernten Atomkraftwerk Fukushima I sind aufgrund von Stromausfällen und Zerstörungen in mehreren Reaktoren die Kühlungssysteme ausgefallen. Durch die steigende Hitze in den Reaktoren verdunstet das Restwasser, den Brennstäben fehlt die Kühlung, sodass diese teilweise zu schmelzen beginnen – diese Kernschmelze kann im schlimmsten Fall zu einem Super-GAU führen. Derzeit leitet die japanische Regierung  eine Vielzahl von Hilfsmaßnahmen ein und sie hat rund 200.000 Menschen aus der Umgebung des AKW evakuieren lassen. Trotz aller getätigten Maßnahmen kam es bereits zu mehreren Explosionen – und eine nukleare Katastrophe scheint unvermeidbar.

Der Super-GAU von Tschernobyl
Der Super-GAU ist nach der INES-Skala (International Nuclear Event Scale) der katastrophale Unfall, der mit Höchstwert 7 dotiert wird. Dieser ereignete sich in der Geschichte der Menschheit erst einmal: bei der Katastrophe von Tschernobyl. Am 26. April 1986 schmilzt im Kernkraftwerk Tschernobyl der Reaktorkern, in dessen Folge der  Kernreaktor Tschernobyl Block 4 explodiert. Das Ereignis gilt als bisher schwerste nukleare Havarie und als eine der schlimmsten Umweltkatastrophen seit Menschengedenken.

Bei der Explosion des Reaktors wurden große Mengen an radioaktivem Material in die Luft geschleudert und verteilten sich über Weißrussland und das Baltikum bis nach Nord- und Mitteleuropa. Die direkte Todeszahl kann bis heute nur geschätzt werden, bei vielen Erkrankungen gilt die Strahlung als mögliche Ursache. Die psychischen, sozialen, ökologischen und ökonomischen Schäden liegen bis heute im Dunkeln.

Doch Tschernobyl ist kein Einzelfall: Der erste ernste Unfall, INES-Stufe 5, im Kernkraftwerk Three Mile Island bei Harrisburg im US-Bundesstaat Pennsylvania ereignete sich bereits am 28. März 1979. Damals kam es im Reaktorblock 2 zu einer partiellen Kernschmelze. Traurige Bekanntheit erreichten auch die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki vom 6. und 9. August 1945.

Das Landesjugendwerk Berlin fordert die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke
Als politischer Interessenverband und Sprachrohr von Kindern und Jugendlichen liegt uns die Sicherheit unserer Kinder am Herzen. In den letzten 70 Jahren starben bei Unfällen und der gezielten menschenfeindlichen Nutzung von Atomkraft mehrere Tausend Menschen, darunter eine Vielzahl von Kindern direkt oder an Spätfolgen. Deshalb fordern wir:

  • die Abschaltung aller deutschen AKWs
  • die Einstellung der Produktion und des Transports von Atommüll
  • die Einstellung der Schaffung und Nutzung von Atomwaffen
  • die Ablehnung der Europäischen Atomgemeinschaft
  • die aktive Mitgestaltung des Atomausstiegs aller EU-Länder

Für die Bundesregierung ist es höchste Zeit zu handeln und nicht nur zuzuschauen! Sie muss beweisen, dass sie keine Regierung der Atomindustrie, sondern die des Volkes ist! Sie muss hören, was die deutsche Bevölkerung sagt und die restlichen laufenden Atomkraftwerke abschalten! Andere Länder haben es auch geschafft!