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Europas größter Naziaufmarsch in Dresden erneut verhindert!

24.02.2011Schon im vergangenen Jahr war es Tausenden von Demonstranten gelungen, auf friedliche Weise Europas größten Naziaufmarsch in Dresden zu verhindern. So sollte es auch dieses Jahr werden, denn schätzungsweise 20.000 Demonstranten versammelten sich deshalb am vergangenen Samstag, den 19. Februar 2011, um die geplanten Naziaufmärsche in Dresden im Keim zu ersticken – mit Erfolg. Im Gegensatz zum letzten Jahr bezahlte man dafür allerdings einen hohen Preis.

Dresden. Samstagvormittag. Eisige Kälte. Tausende Menschen. Es ist der 19. Februar, knapp eine Woche nach dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die britische und die US-Luftwaffe, die mit den vier stärksten Bombardierungswellen des Zweiten Weltkriegs auf deutsche Ziele die historische Altstadt Dresdens zu weiten Teilen zerstörten. Dabei forderten die Bombenabwürfe nach heutigen Schätzungen bis zu 25.000 Menschenleben, mehrere Zehntausend Verletzte und Obdachlose.

Seit nun schon über zehn Jahren versuchen Neonazis, die Bombardierung Dresdens für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Damit wollen sie ihre menschenverachtende Ideologie geeint, öffentlichkeitswirksam und frei zelebrieren. Der sogenannte „Trauermarsch“ konnte sich damit lange Zeit ungehindert zur größten regelmäßig stattfindenden Neonaziveranstaltung Europas entwickeln. Unter Begleitung vermehrter Gewaltbereitschaft seitens der Neonazis folgten dem Aufruf zum Großaufmarsch 2009 etwa 7.000 von ihnen.

Doch vergangenes Jahr wendete sich das Blatt: Tausende Gegendemonstranten versammelten sich und verhinderten somit erstmals den "Trauermarsch“. Dies war Grund genug, auch dieses Jahr wiederzukommen, um die zahllosen angekündigten Rechtsextremen in „Empfang“ zu nehmen. Deshalb war im Vorfeld die Stimmung unter den Gegendemonstranten ausgelassen. 40 angemeldete und größtenteils spontan genehmigte Mahnwachen und Kundgebungen nahmen aktiv gegen die Vereinnahmung dieses Tages durch Neonazis Stellung. Dazu traten in der Dresdner Innenstadt lokale und zugereiste Musiker sowie Rednerinnen und Redner verschiedenster lokaler Initiativen, Aktionsgruppen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Jugendverbände auf, um die Bedeutung dieses zivilgesellschaftlichen Widerstands gegen neonazistisches Gedankengut hervorzuheben. Als schon die Anreise der Rechtsextremen blockiert und damit die Zahl der Neonazis am Dresdner Hauptbahnhof – dem wichtigsten Sammelpunkt der Rechten – auf 800 bis 2.000 Personen reduziert werden konnte, war der erneute Erfolg der Gegendemonstranten über die Neonazis offensichtlich. Bis zum Ende des Tages waren die Rechtsextremen nicht über diese kleine Kundgebung hinausgekommen.

Allerdings liegt im Gegensatz zu den vergangenen Jahren diesmal ein düsterer Schatten über dem Erfolg. In der Folge eines Urteils des Sächsischen Verwaltungsgerichtes zur strikten Aufteilung von Rechtsextremen und Gegendemonstranten auf verschiedene Elbseiten hatte die Stadt Dresden bereits im Vorfeld den Ausnahmezustand über die Stadt verhängt, da gewaltsamer Protest von Autonomen gegen diese Zugeständnisse an die Rechtsextremen befürchtet worden war. Leider zeigte es sich, dass diese Maßnahme zu Recht ergriffen wurde. Denn im Laufe des Tages kam es immer wieder zu Ausschreitungen von Rechtsextremen und Radikalen, die sich – leider – auch unter den Gegendemonstranten befanden. Barrikaden wurden errichtet und angezündet, Pflastersteine geworfen. Teilweise reagierte die Polizei mit unverhältnismäßiger Gewalt, setzte Wasserwerfer, Pfefferspray, Tritte und verbale Gewalt gegen Demonstranten ein oder reagierte gar nicht.

Doch die Situation spitzte sich zu: Im Laufe des Abends stürmte das LKA Sachsen unter dem Vorwand der Vorbereitung und Ausführung einer Straftat durch das Aktionsbündnis „Dresden Nazifrei“ dessen Pressebüro. Das Bündnis hatte die Blockaden des Naziaufmarsches federführend organisiert.

Letztendlich lässt sich also festhalten: Auch in diesem Jahr ist es durch die Unterstützung von Antifagruppen, lokalen Initiativen und Aktionsgruppen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen und Jugendverbänden sowie zahlreichen weiteren Organisationen und Einzelpersonen gelungen, Europas größten Naziaufmarsch zu verhindern. Jedoch war der Preis dafür zu hoch. Randale und Gewalt überschatteten in völlig unverhältnismäßiger Weise die Wichtigkeit des Widerstandes gegen die Instrumentalisierung dieses Tages durch Neonazis.

Das Jugendwerk setzt sich deshalb für friedliche Demonstrationen ein und missbilligt jegliche Form des gewaltsamen Protests – egal von wem und aus welchem Grund er ausgeübt wird.
Denn es gilt: Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!