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Erfreuliche Resonanz auf den politischen Aktionstag zur Asylpolitik

22.10.2012Unmittelbar vor der Landesjugendwerkskonferenz am vergangenen Samstag, den 20. Oktober 2012, fand der erste politische Aktionstag des Landesjugendwerkes zur Asylpolitik statt. Wir konnten nicht nur interessierte Berliner Jugendliche begrüßen, sondern auch drei junge Flüchtlinge aus einer Berliner Erstaufnahmeeinrichtung. Gemeinsam mit einem Vertreter des Vereins iranischer Flüchtlinge e.V., der für die drei jungen Afghan_innen dolmetschte, konnten sie und die anderen Jugendlichen ihre Erfahrungen und Ansichten zur deutschen Asylpolitik austauschen. Aufgrund der erfreulichen Resonanz wird es eine Folgeveranstaltung geben, die in Kürze bereits offiziell angekündigt wird.

Der Weg bis nach Deutschland war für die drei jungen Flüchtlinge aus Afghanistan ein sehr beschwerlicher und gefährlicher. In ihrem Heimatland herrscht zehn Jahre nach dem Sturz des Taliban-Regimes immer noch Krieg, der die demokratischen Teilerfolge des vergangenen Jahrzehnts immer wieder verblassen lässt. Aufgrund der großen Gefahr für sie und ihre Familien wagten die jungen Menschen die Flucht, um jetzt in Deutschland um Asyl zu ersuchen. Dabei werden ihnen aber viele bürokratische Hürden in den Weg gestellt, die ihnen das Ankommen in der deutschen Gesellschaft unnötig erschweren.

Mit dem politischen Aktionstag wollte das Landesjugendwerk Berliner Jugendliche für die Situation ihrer Altersgenossen sensibilisieren. Gelingen sollte dies nicht durch trockene Vorträge und langweilige Monologe, sondern durch eine interaktive, spielerische Herangehensweise. Beispielsweise sollten sich die Teilnehmenden in einem ersten kleinen Spiel Fremdheitserfahrungen bewusst machen, die sie vielleicht selbst noch gar nicht als solche wahrgenommen hatten. Nach einem kurzen theoretischen Input, der zur Begriffsklärung diente, sollte jede_r mögliche Gründe für Migrationsbewegungen formulieren, die sowohl freiwillig als auch unfreiwillig erfolgen könnten. Besonders spannend war dann die Arbeit in Kleingruppen, in welchen jeweils ein tatsächlicher Fall der deutschen Asylrechtsprechung anhand eigener Vorstellungen und Erfahrungen gelöst werden sollte. Nach der Vorstellung der eigenen Lösungsvorschläge hatten die anderen Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre persönliche Ansicht zu den Fällen zu äußern. Hierbei gab es durchaus verschiedene Meinungen. Nach Vorstellung der tatsächlichen Rechtsprechung deutscher Gerichte waren viele teilweise fassungslos, wie in Deutschland gegenüber Flüchtlingen Recht gesprochen wird. Auch für die drei jungen Flüchtlinge waren dies ganz neue Erfahrungen und Informationen, die sie in ihrer erst kurzen Zeit in Berlin noch nicht sammeln konnten.

Weil sich danach langsam die Zeit dem Ende zuneigte, konnten weitere Punkte auf dem Tagesplan leider nicht mehr angegangen werden. Da aber alle Teilnehmer_innen eine Fortsetzung der Veranstaltung begrüßten, wurde kurzerhand ein Folgetermin abgestimmt, in dem sowohl die geplanten Themen weiter vertieft, als auch neue Themenvorschläge aus dem Plenum angesprochen werden sollen. Bevor sich alle Teilnehmenden wieder auf den Heimweg machten, gab es noch ein gemeinsames Mittagessen. Bei Kürbissuppe, Soljanka und Baguette konnte dann der Aktionstag in gelöster und fröhlicher Stimmung ausklingen. Alle freuen sich bereits auf das nächste Treffen in knapp zwei Wochen. Dann wird die Erstaufnahmeeinrichtung „AWO Refugium“ in der Rhinstraße Gastgeber für uns sein. Wir freuen uns auch dort auf eine rege Teilnahme!