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Dreizehnter Castor-Transport erreicht „Zwischenlager“ Gorleben

29.11.2011Am Montagabend erreichten die Castoren mit deutschem Atommüll aus der Wiederaufbereitungsanlage La Hague das „Zwischenlager“ im niedersächsischen Gorleben. Es war der dreizehnte – und zugleich letzte – Castor-Transport aus Frankreich nach Deutschland. Diesmal benötigte er gar mehr als fünf Tage – so lange wie noch nie zuvor! Dies lag ganz besonders an den Protesten, die dieses Mal noch umfassender ausfielen als im vergangenen Jahr, was nicht zuletzt an der Atomreaktorkatastrophe im japanischen Fukushima vom 11. März dieses Jahres lag. Währenddessen geht die Debatte um einen möglichen Endlagerstandort für deutschen Atommüll weiter.

Am Mittwoch vergangener Woche um 16 Uhr war der Zug mit den Castoren an Bord im französischen Valognes auf seine Reise nach Gorleben gegangen. Dass die Castoren, die wiederaufbereiteten Atommüll aus deutschen Atomkraftwerken beinhalten, eine derart lange Zeit brauchen würden, um ihren Bestimmungsort Gorleben zu erreichen, war zu diesem Zeitpunkt nicht abzusehen. Aber man konnte es nach den Ereignissen im Frühjahr erwarten, als ein Erdbeben und ein Tsunami das japanische Atomkraftwerk Fukushima Daiichi so heftig trafen, dass es in mehreren Reaktoren zu unkontrollierten Kernschmelzen kam – und die Situation allen Beteuerungen durch den Betreiber zum Trotz bis heute noch nicht wirklich unter Kontrolle zu sein scheint. Auf eben diese Gefahren wiesen Anti-Atom-Initiativen auch hin, als sie ihre Proteste gegen die gefährlichen Transporte ankündigten.

Die Castorbehälter selbst verhindern zwar, dass ein Großteil des hochradioaktiven Atommülls in die Umgebung verstrahlt, doch können sie nicht verhindern, dass trotzdem Strahlung austritt. Deshalb ist das System des Atommülltransports auch ein derart gefährliches. Man möge sich nicht vorstellen, was bei einem möglichen Unfall auf der Schiene oder auf der Straße passieren könnte. Vergangene Aussagen von Atomlobbyisten, dass die Atomkraft eine saubere und verlässliche Energie sei, sind also in zweierlei Hinsicht unwahr: Erstens ist sie nicht verlässlich, wie die Katastrophen im Atomkraftwerk Three Mile Island in Harrisburg (USA) 1979, Tschernobyl 1986 (UdSSR) und eben Fukushima gezeigt haben. Weitere Zwischenfälle in unzähligen anderen Kraftwerken weltweit schüren darüber hinaus in der jeweiligen Bevölkerung immer wieder Ängste, da eine Verstrahlung der Umwelt sich bis in viel spätere Folgegenerationen hinein auswirken kann. Und zweitens ist die Atomkraft nicht sauber, da der bei Atomstrom entstehende Atommüll irgendwo sicher gelagert werden muss, da er für weitere Millionen Jahre strahlen wird. Obwohl die Sicherheit der Castorbehälter im Vergleich dazu fast nebensächlich scheint, sind aber alle weiteren unnützen Transporte überflüssig.

Unnütz sind diese Transporte, weil der Standort Gorleben gar kein offizielles Endlager ist. Es trägt seit seiner Einrichtung 1979 den inoffiziellen Titel „Zwischenlager“, obwohl man immer wieder versuchte, Gorleben als Endlager durchzusetzen. Es stellt sich aber immer wieder die Frage, ob Gorleben wirklich der beste Standort für deutschen Atommüll ist. Immerhin weisen geologische Messungen darauf hin, dass der Salzstock unter Gorleben, der zum Isolieren der Strahlung besonders günstig scheint, gar nicht so dicht ist, wie man jahrelang dachte. Indizien weisen zudem darauf hin, dass die Entscheidung für Gorleben schon Ende der 1970er Jahre vielmehr einer politischen statt wissenschaftlich-rationalen Diskussion entsprang. Aktuell soll wieder ergebnisoffen nach einem Standort gesucht werden. Die Atomkraftgegner jedoch trauen diesen öffentlichen Beteuerungen nicht: Zu oft wurde in der Vergangenheit angekündigt, dass man einen absolut sicheren Standort für den Atommüll suchen werde und um die Probleme des Standorts Gorleben wisse. Aber genauso oft wurde diese Diskussion still und heimlich beerdigt. Die Protestierer werden weiter protestieren – und, wie man dieses Mal sieht, auch mit großem Erfolg. Diese lange Transportzeit, die sie durch viele Unterstützer und kreative Aktionen erzwungen haben, dominierte die Schlagzeilen landauf, landab. Je öffentlichkeitswirksamer der Protest ist, umso mehr sind die Entscheidungsträger gezwungen, darüber zu diskutieren. Deshalb darf auch nach dem dreizehnten und letzten Castor-Transport aus La Hague nach Gorleben die öffentliche Diskussion nicht verstummen, denn bereits im kommenden Jahr sollen weitere Castoren aus England eintreffen! Es geht schließlich um unsere Sicherheit.