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Die quälende Suche nach dem „Warum“

25.07.2011Fassungslosigkeit in Norwegen und weit darüber hinaus: Die Attentate im Regierungsviertel der norwegischen Hauptstadt Oslo und auf der Fjordinsel Utøya, bei der nach offiziellen Angaben 76 Menschen ihr Leben verloren haben, lässt unzählige Menschen weltweit bestürzt zurück. Ein 32-jähriger Norweger mit rechtsextremem, antiislamischem und christlich fundamentalistischem Gedankengut hat beide Taten gestanden, bei denen er zielgerichtet vor allem junge Menschen regelrecht hingerichtet hat. Die Verarbeitung dieser Taten fällt schwer, und bevor die juristische Aufarbeitung beginnen kann, haben viele Norweger auf Gedenkveranstaltungen der Opfer gedacht.

Es sollte ein fröhliches Jugendlager des sozialdemokratischen Jugendverbandes Norwegens werden. Doch am späten Freitagnachmittag stürmte der Norweger Anders Behring Breivik, als Polizist verkleidet, die Insel Utøya, auf der das Lager stattfand. Er ermordete wahllos unzählige junge Menschen, die zusammengekommen waren, um die Ausrichtung ihres politischen und sozialen Engagements zu diskutieren und sich dazu in lockerer Runde auch nebenbei besser kennenlernen wollten. Der Attentäter hatte sie als seine Opfer ausgewählt, weil sie sich für ein multikulturelles und integratives Norwegen eingesetzt haben, in dem es keine sozialen Unterschiede zwischen Menschen verschiedenster Herkunft geben sollte.

Mit diesem Massaker wollte der Attentäter seiner Ideologie einen klaren Ausdruck verleihen, die sich gegen offene und dialogbereite Gesellschaften richtet und ein deutlich antiislamisches, christlich fundamentalistisches Fundament aufweist. Selbst bezeichnet er sich als „christlich konservativ“, doch ist dies nichts anderes als eine grauenvolle Tat eines Mannes mit rechtsextremem Gedankengut.

Noch vor dem von ihm verübten Massaker an den Jugendlichen deponierte er eine Bombe im Osloer Regierungsviertel, bei deren Explosion ebenfalls viele Menschen starben. Auch die norwegische Regierung – unter der Führung eines Sozialdemokraten – war Anschlagsziel aus dem gleichen Grund wie auf die Jugendlichen: Der Attentäter wollte die Politik des Dialogs mit verschiedenen Kulturen und Religionen und die Integration von Zuwanderern schädigen. Doch mit seinem Attentat hat er die Einigkeit der norwegischen Gesellschaft noch gestärkt, wie die riesige Anteilnahme in den letzten Tagen eindrucksvoll demonstrierte.

Die Opfer mahnen aber auch eines: Der Kampf gegen Rechtsextremismus muss weiterhin allerhöchste Priorität haben – in jeder Gesellschaft, auch in unserer! Maßnahmen, die diesen Einsatz gegen Rechts behindern, darf es nicht geben! Bereits bei Kindern und Jugendlichen ist es über alle Maßen wichtig, sie über die menschenverachtende, rassistische Ideologie der Rechtsextremen aufzuklären und sie somit immun gegen eine Vereinnahmung durch solche Kreise zu machen. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass die Gefahr von Rechts keineswegs Geschichte, sondern vielmehr eine reale Gefahr ist.