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Die Bundeswehr und ihre fragwürdigen Mittel der Nachwuchswerbung

27.09.2012„Eine coole Berghütte der Bundeswehr ist extra und exklusiv für Euch reserviert – das klingt nach Party!“ Mit diesem und weiteren Sprüchen bewirbt die Bundeswehr derzeit sogenannte „BW-Adventure Camps“ auf Sardinien oder in den Alpen. Platziert wurden diese Anzeigen auf der Homepage des Jugendmagazins „Bravo“ und somit auf einer Webseite, auf der sich insbesondere Jugendliche tummeln, die im Normalfall sogar minderjährig sind. Gegen solche Maßnahmen regt sich nun Protest. Dies sorgt gerade in der Zeit für Aufsehen, in der verschiedene Verbände die Kampagnenwoche „Schulfrei für die Bundeswehr“ zur Aufklärung über die Militarisierung der Gesellschaft begehen.

Die Nachwuchswerbung der Bundeswehr hat eine neue Stufe erreicht: Nachdem in den Vorjahren zumeist der vermeintlich entmilitarisierte Karriere-Aspekt angesprochen wurde, der aber klar in einem militärischen Rahmen erfolgt, wird nun die Bundeswehr als eine trendige, jugendaffine Einrichtung dargestellt. Die neueste Kampagne, in der sogenannte Bundeswehr-Abenteuercamps beworben werden, hat aber ganz klar eine Grenze überschritten. Die heftigen Reaktionen in der Öffentlichkeit demonstrieren dies. Ein Camp, das offenkundig den Zweck der Nachwuchsgewinnung aufweist und dann auch noch in erster Linie Jugendliche zwischen 16 und 21 Jahren anspricht, kaschiert durch seine Party-Rhetorik den doch eigentlich lebensgefährlichen Einsatz, den junge Menschen bei der Bundeswehr im Extremfall zu leisten haben. In diesem Sinne ist es auch kein Abenteuer oder gar Spaß, von dem hier die Rede ist, sondern eine für Leib und Leben gefährliche Angelegenheit. Davon ist in der Kampagne aber überhaupt nicht die Rede.

Jetzt scheint diese Form der Nachwuchsgewinnung auch Thema im Bundestag zu werden. Die Oppositionsparteien werden ihre Kritik an dieser „rechtlich problematischen und moralisch unvertretbaren“ Werbung von Minderjährigen als Diskussionspunkt in den Verteidigungsausschuss einbringen und sich dafür einsetzen, die Anzeigenkampagne und das Angebot selbst unverzüglich zu beenden. Auch verschiedene Kinderrechtsorganisationen wenden sich mit einem Aufruf an den Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière, damit dieser als oberster Dienstherr die Kampagne stoppt.

Dass sich die Bundeswehr schon mehrfach mit beschönigenden Kampagnen an die Öffentlichkeit wandte, ist nicht neu. Aus diesem Grund haben mehrere Nichtregierungsorganisationen und Jugendverbände die Kampagne „Schulfrei für die Bundeswehr“ aus der Taufe gehoben, die sich um eine Aufklärung über die Militarisierung unserer Gesellschaft bemüht. Derzeit verhält es sich so, dass acht Bundesländer Kooperationen mit der Bundeswehr vereinbart haben, wodurch die Arbeit von sogenannten „Jugendoffizieren“ in Schulen erleichtert werden soll. Vermeintliche Bildungsangebote der Bundeswehr sollen hiermit verstärkt in die Öffentlichkeit getragen werden und sogar die Ausbildung von Referendar_innen und Lehrer_innen sollen „Jugendoffiziere“ begleiten. Der Weg in die praktische Bildungsarbeit ist von diesem Punkt dann gar nicht mehr weit. Genau gegen diese Einbindung des Militärischen in einen wichtigen Träger von Allgemeinbildung protestiert die Kampagne „Schulfrei für die Bundeswehr“. Vom 24. bis 28. September 2012 findet dieses Mal die Kampagnenwoche statt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen (Anzeigen) der Bundeswehr hoffen wir, dass der Protest auch weitere Erfolge zeitigt.