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Das vorläufige Ende der „Flexi-Quote“ für Frauen in Unternehmen

15.08.2012Die Bundesfrauenministerin Kristina Schröder hat vergangene Woche angekündigt, dass die von ihr favorisierte „Flexi-Quote“ für Unternehmen nicht mehr in der aktuellen Legislaturperiode in den Bundestag eingebracht wird. Verantwortlich macht sie dafür den Widerstand im eigenen Regierungslager. Jedoch soll das Thema nach der Bundestagswahl erneut aufgegriffen werden. Möglicherweise wird dann aber auch über andere Modelle nachgedacht, worunter u.a.  die starre Quote fällt, die Unternehmen explizit vorschreibt, wie viele Frauen in bestimmten Betriebsgremien vertreten sein müssen.

Seit mehreren Jahren wird in der Öffentlichkeit über ein Thema debattiert, das insbesondere Frauen betrifft: die Quotierung von Stellen explizit für Frauen in führenden Gremien von Unternehmen. Derzeit sieht es in der deutschen Unternehmenslandschaft so aus, als ob allein Männer in der Lage wären, Unternehmen – zumeist größere – zu führen. In den Vorständen und Aufsichtsräten sitzen nur wenige Frauen, obwohl es keine geschlechterbedingte Unterscheidung der Arbeit von Frauen und Männern gibt.. Natürlich steht Deutschland mit diesem Problem nicht allein da. Jedoch zeigen andere Länder, z.B. Schweden, dass eine andere Realität möglich ist, die die Vorzüge von Frauen in führenden Positionen von Unternehmen erkennt. Wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass Unternehmen, die vermehrt auf Frauen in ihrer Leitung setzen, ein besseres internes Klima aufweisen, das sich wiederum positiv auf die Jobzufriedenheit der Angestellten auswirkt. Außerdem sind Frauen auch eher zu Kompromissen bereit, was den sozialen Faktor der Unternehmensführung erhöht. Dieser Fakt scheint jedoch der springende Punkt zu sein, an dem sich von Seiten der Wirtschaft die meiste Kritik entzündet, auch wenn es so nicht formuliert wird.

Die deutschen Unternehmen – insbesondere die börsennotierten – haben auf die Kritik von Parteien, Gewerkschaften, Frauenverbänden u. a. insofern reagiert, dass sie einer Quotenregelung der für Frauenangelegenheiten zuständigen Bundesministerin zugestimmt haben. Doch ist diese sogenannte „Flexi-Quote“ höchstens eine „Quote light“, weil hierdurch das Problem nicht wirklich gelöst wird. Bei dieser Regelung würden sich die Unternehmen auf eine Selbstverpflichtung einlassen, die keine verbindlich vorgeschriebenen Zahlen beinhaltet und die Lösung des Problems immer weiter in die Zukunft verschiebt. Die Opposition im Bundestag und viele weitere Vertreter der Zivilgesellschaft haben sich in der Folge deshalb besonders kritisch über diese „Nicht-Frauenpolitik“ der Frauenministerin Schröder geäußert. Sogar aus den eigenen Reihen der Regierung kam Kritik an diesem Kurs, darunter auch von der Bundesarbeitsministerin. Nicht zuletzt deshalb ist die rasche Umsetzung der „Flexi-Quote“ gescheitert. Die Befürworter_innen einer festen Quote (z. B. 40%) wollen jetzt ihre Vorschläge einbringen, um parteiübergreifend diesen Missstand in der deutschen Wirtschaft anzugehen. Dies scheint jedoch an der starren Haltung der Bundesregierung zu scheitern, die eine Einführung einer Quote nicht vor der nächsten Bundestagswahl im Herbst kommenden Jahres prüfen will.

Unterstützung erhalten die Befürworter_innen einer festen Quote von der EU-Justizkommissarin Viviane Reding. Sie kündigte kürzlich für diesen Herbst den Entwurf einer Richtlinie an, die ebenfalls eine feste Vorgabe beinhaltet. Dabei würde solch eine Quote sogar EU-weit gelten, was vielen Gegner_innen dieser Politik aus der Wirtschaft den Wind aus den Segeln nehmen würde. Die Betonung möglicher Schäden für Unternehmen bei einem deutschen „Alleingang“, wie es vereinzelt bezeichnet wurde, wäre in diesem Falle nicht haltbar. Man kann gespannt sein, wie sich das Quotenthema auf politischer Ebene weiter entwickelt. Egal welche Regelung am Ende kommt, es muss eine geben! Jungen Frauen von vornherein zu vermitteln, dass sie nicht Karriere machen können, weil sie potenziell aufgrund von Schwangerschaften und Kindern für das Unternehmen ausfallen könnten – vulgo: schaden –, ist scheinheilig. Die Dominanz von Männern in diesen Positionen muss beendet werden. Wenn mehr Frauen in Unternehmen letztlich auch einen sozialeren und nachhaltigeren Kurs in der Unternehmenspolitik bedeuten, wie es wissenschaftliche Studien suggerieren, wäre sogar mehr durch eine Quote erreicht, als man zu Beginn der Debatte gedacht hatte.