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Castor-Transporte rollen wieder nach Gorleben!

14.06.2011Anfang November soll es nun wieder soweit sein: Zum insgesamt 13. Mal werden wieder Castor-Transporte aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague ins niedersächsische Gorleben rollen. Dabei steht immer noch nicht fest, ob der Standort Gorleben überhaupt ein sicheres Endlager für den hochradioaktiven Abfall aus deutschen Atomkraftwerken ist. Trotz des zuletzt von der Bundesregierung beschlossenen Ausstiegs aus der Atomenergie wird wieder mit einer großen Beteiligung bei Protesten am Rande der Transportstrecke gerechnet, denn der bereits produzierte Müll wird noch weit über das Ausstiegsdatum hinaus strahlen – und die Menschen rund um Gorleben weiterhin in Angst vor einer radioaktiven Verschmutzung leben lassen.

Alle Atomkraftwerke produzieren hochradioaktiven Müll. Dieser muss an einem sicheren Ort gelagert werden, um negative Einflüsse auf die Umwelt und die Menschen zu verhindern. Nur gibt es für deutschen Atommüll weiterhin kein sicheres Endlager, da bisher aus politischen Gründen keine offene Endlagersuche in ganz Deutschland stattgefunden hat. 1981 wurde das Atommüll-Zwischenlager Gorleben errichtet, um im unterirdischen Salzstock den Müll solange zu lagern, bis ein Endlager gefunden werden würde. Dies ist bisher nie geschehen, weshalb Gorleben nach Meinung von Anti-Atom-Initiativen und zahlreicher Anwohner den inoffiziellen Status eines Endlagers erhalten hat. Dagegen richten sich die Proteste – so ganz sicher auch diejenigen am Rande des nächsten Castor-Transports.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat nun bekanntgegeben, dass voraussichtlich Anfang November ein neuer Transport nach Gorleben durchgeführt wird. In sogenannten Glaskokillen soll der aufbereitete Atommüll aus der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague über Schiene und Straße nach Gorleben transportiert werden. Während des Transports strahlt der in den Kokillen eingeschmolzene Abfall aber weiter, wobei zwangsweise Strahlung nach außen dringt. Dies ist nicht zu verhindern, es zeigt aber auch nur wieder, wie unsicher und schwer kontrollierbar diese Technologie in Wirklichkeit ist. Die Gefahr eines Unfalls mit weitreichenden Folgen für Menschen und Umwelt fährt dabei immer mit – auf einer Strecke quer durch Frankreich und Deutschland!

So schwer zu kalkulieren die Sicherheit des Transports ist, so sicher sind die Proteste dagegen. Im vergangenen Jahr gab es die bisher schwersten Störungen des Transports, die nur durch massiven Polizeieinsatz überwunden werden konnten. Transportgegner hatten die Gleise mit Beton-Pyramiden blockiert und sich selbst angekettet, wobei es bei der Räumung zu heftigen Auseinandersetzungen kam. Fast genau ein Jahr später könnten sich die Bilder wiederholen, da weiterhin keine politische Lösung für das Endlagerproblem gefunden worden ist. Zuletzt getroffene Äußerungen hochrangiger Bundes- und Landespolitiker lassen immerhin Bewegung in der Angelegenheit erkennen. Doch die Proteste werden diese unverbindlichen Ankündigungen nicht verhindern können.

Nach Angaben des Betreibers des Zwischenlagers werden nach dem anstehenden Castor-Transport keine weiteren mehr erwartet, weil mittlerweile der gesamte aus Deutschland nach La Hague gelieferte Atommüll die Wiederaufbereitung durchlaufen hat. Stimmen, die eine Absage des Transports fordern, um nicht noch weitere Fakten in Gorleben zu schaffen, sind bisher aber verhallt. Die ersten Atomkraftgegner haben deshalb schon zu den ersten Protesten aufgerufen: Unter dem Motto „Jetzt schlägt's 13“ wird die neue Kampagne firmieren, wie die ansässige Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg mitgeteilt hat. Es bleibt zu hoffen, dass der Widerstand erfolgreich sein wird und weitere Beeinträchtigungen der Umwelt verhindert werden können. Deshalb unterstützt regionale und überregionale Initiativen, die ein Atommüll-Endlager in Gorleben zu verhindern versuchen!