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Am Anfang war ein Zelt!

25.05.2011Nothilfe von CSDI und AWO International in Haiti

Ein Zufall rettete ihm das Leben. Als am 12. Januar 2010 die Erde in Haiti bebte, fuhr Dr. Joseph Foblas, Direktor der haitianischen Organisation CSDI (Centre de Santé et Développement Integré – Zentrum für Gesundheit und integrierte Entwicklung) nicht wie gewöhnlich zur Universität, sondern in die Dominikanische Republik, um eine neue Laboreinrichtung abzuholen. Den zerstörten Regierungspalast, verwüstete Straßen, Häuser in Schutt und Asche, Verletzte, Tote sah er zuerst im Fernsehen. Er entschloss sich, sofort nach Haiti zurückzufahren.

Zum Glück funktionierte das Internet. E-Mails gingen um die Welt und die langjährige Partnerorganisation von AWO International ACISAM in El Salvador stellte schließlich den entscheidenden Kontakt her: Zwei Wochen nach dem Beben trafen sich in der zerstörten Innenstadt von Port-au-Prince Dr. Foblas und Nicole Bergmann, Mitarbeiterin von AWO International. „Wie können wir helfen?“, fragte sie. „Ich bin Arzt“, antwortete Dr. Foblas. Ich habe mein Stethoskop, aber keine Medikamente und keinen Behandlungsraum!“

Es dauerte viele zähe Stunden aber dann hatte die Mitarbeiterin von AWO International ein Zelt des Logistikunternehmens DHL aufgetrieben, das als Behandlungsraum dienen sollte – das war der Beginn der Zusammenarbeit von CSDI und AWO International in Haiti. Gearbeitet wurde nun Tag und Nacht: In der Zeltklinik wurden Kranke behandelt und versorgt, für schwierige Fälle der Transport in Krankenhäuser der Dominikanischen Republik organisiert, da die meisten Krankenhäuser und –stationen durch das Beben zerstört oder komplett ausgelastet waren. Zusätzlich verteilte das CSDI lebensnotwendige Hilfsgüter. In der Zwischenzeit gingen in Deutschland bei AWO International und Aktion Deutschland Hilft die ersten Spenden ein.

Mit den Spenden baute das Projektteam des CSDI in vier Notlagern in Croix-des-Bouquets am Stadtrand von Port-au-Prince Gesundheitsstationen auf. Seit über einem Jahr versorgen und behandeln sie dort täglich die Menschen der Notunterkünfte, geben kostenlos Medikamente aus und organisieren den Transport von Schwangeren und schwer Kranken in kooperierende Krankenhäuser.

Bilddokumentation

Für die Kinder in den Zeltlagern wurde ein Kindergarten mit Vorschuloption gebaut, in dem kinderfreundliche Räume (Child friendly Spaces) eine Trauma-Arbeit ermöglichen. In diesen Schutzräumen finden die Kinder feste Strukturen und  einen sicheren Ort zum Spielen. Zusätzlich wurde eine Grundschule mit vier Klassen gebaut. Für etwa 150 Schul- und 125 Kindergartenkinder ist damit ein kleines Stück Alltag zurückgekehrt: „Die Situation der Kinder hat sich deutlich gebessert“, sagt die Erzieherin Marie France Philidor. „Im Kindergarten singen wir mit ihnen und erzählen ihnen Geschichten. So vergessen sie langsam ihr schweres Los.“

Die Kindergartenkinder bekommen eine warme Mahlzeit am Tag, die zunächst unter freiem Himmel gekocht wurde. Mit zusätzlicher Unterstützung der Deutschen Botschaft wurde inzwischen eine kleine Küche gebaut. Als Dr. Foblas vor einigen Wochen den Kindergarten besuchte, wurde er von den Kindern gefragt, ob es auch in der Grundschule Mittagessen gebe. „Leider nein“, antwortete er ihnen. „Dann“, sagten die Kinder, „wollen wir lieber für immer im Kindergarten bleiben“.

Auch 16 Monate nach dem Beben leben allein in diesen Notlagern über 10.000 Menschen weiter in Zelten, 2.500 von ihnen sind Kinder. Ihre Zukunft ist unsicher. Die Grundschule reicht nicht aus, um den Unterrichtsbedarf aller Schüler/innen in den Notlagern zu decken. Viele haben nicht genügend zu essen, besonders die Ernährungssituation von Müttern und Neugeborenen ist sehr schlecht.

Damit das CSDI seine Arbeit in Haiti fortsetzen kann, bittet AWO International dringend um Spenden.
Spendenkonto 10 11 12
BfS 100 205 00