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100.000 Kinder in Japan sind obdachlos, unzählige werden vermisst oder sind bei den verheerenden Naturkatastrophen ums Leben gekommen

17.03.2011Der 11. März 2011 war für Japan der Tag, an dem sich alles änderte. Erst ereignete sich ein verheerendes Erdbeben, dann folgte ein Tsunami. Die Natur hat nahezu alles mit sich gerissen. Doch dem nicht genug: Eine unaufhaltsame nukleare Katastrophe bahnt sich nun an. Schon jetzt sind Millionen von Menschen obdachlos, Trauer und Leid gehören zum neuen „Alltag“. Besonders die Situation der mehr als 100.000 obdachlosen Kinder erschüttert uns als Jugendwerk.

Aktuell nehmen die Informationsströme über einen drohenden nuklearen Super-GAU im Atomkraftwerk Fukushima I kein Ende: Immer neue Schreckensmeldungen verkünden weitere Brände, Explosionen, die Zerstörung von Reaktormänteln oder den Austritt von Radioaktivität. Wieder andere geben Entwarnung; so heißt es, die Strahlung sei seit einer Explosion schon wieder zurückgegangen. Anderswo erfährt man, die Betreiberfirma des AKW suspendiere seine Mitarbeiter. In Tokio, ca. 220 Kilometer vom AKW Fukushima entfernt, wird eine Strahlenbelastung gemessen, die 22-mal so hoch ist wie normal.

Die Berichterstattung ist mehr als uneindeutig: Es herrscht Verwirrung und Unsicherheit über den Wahrheitsgehalt diverser Informationen und Berichte. Weder ist bekannt, wie die Lage in Japan wirklich ist, noch ist es fassbar für uns, was die Menschen dort erleben und ertragen müssen. Wir können lediglich erahnen, welchen Ängsten und Sorgen sie ausgesetzt sind.

Offiziell spricht man derzeit von mehr als 5.000 Toten. Unendlich viele Menschen werden vermisst – und die Chance, Verschüttete oder von den Wassermassen Mitgerissene zu bergen, sinkt.

Uns als Jugendwerk erschüttert dabei insbesondere die Situation der Kinder und Jugendlichen. Ihre bisherige Lebenswelt wurde durch das Erdbeben zerstört und durch den Tsunami fortgespült. Ihre Zukunft liegt im Ungewissen, vor allem, wenn es zu weiteren Störfällen oder gar zum Super-GAU kommen sollte.

100.000 Kinder gelten derzeit als obdachlos. Sie haben ihre Heimat und Familien verloren. Ungewissheit und Trauer über vermisste  Eltern, Geschwister und Freunde bestimmen den neuen „Lebensalltag“. Neben Nahrungsmittelknappheit besteht ein Mangel an Sachmitteln wie Wassertanks, Decken und Matratzen, die aber glücklicherweise aus dem Ausland zur Verfügung gestellt werden. Notunterkünfte werden eingerichtet und dennoch ist es trotz Einsatz der Hilfsorganisationen schwierig, den Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden und ihnen Sicherheit sowie emotionale, soziale und psychische Stabilität zu geben.

Die Kinder und Jugendlichen erwartet eine ungewisse Zukunft. Es ist unklar, wann wieder Zugang zu Bildungseinrichtungen besteht, wann sich die Infrastruktur wieder soweit erholt hat, dass Trinkwasser und medizinische Versorgung gegeben sind und das Leben wieder in Menschenwürde möglich ist.

Besonders ein Super-GAU würde die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen enorm beeinflussen, da sie aufgrund schnellerer, wachstumsbedingter Zellteilung als besondere Risikogruppe für Schilddrüsenkrebs gelten.

Deswegen fordern wir verantwortungsvollen Umgang mit risikoreichen Technologien mit unkontrollierbaren Folgen – für weltweiten Kinderschutz im Sinne der Menschenrechte (vgl. Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, insbes. Art. 25). Deshalb gilt: Fukushima heißt Abschalten!